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Berliner Gegengespräche für Nachhaltigkeit
 
Die Wiederentdeckung alter Werte – oder zumindest ihre Beachtung – wird häufig als Lösungsweg aus Krisen betrachtet. Nur wenige wagen auszusprechen, warum dies tatsächlich kaum gelingen kann:

Aufgeschlossenheit, Ethik und Mäßigung stehen im täglichen Leben Neid, Gier und Verschwendungssucht gegenüber. Dabei ist nur zu deutlich: Erst das Gleichgewicht der Kräfte verspricht den nachhaltigen Wandel.

Die Berliner Gegengespräche im Format 'Let's not talk about' nimmt die Gegenseiten der Medaille Nachhaltigkeit mit in den Fokus, um die Dinge anschließend von beiden Seiten zu beleuchten. Dabei kommen Leichtigkeit und Genuss nicht zu kurz: Die Themen werden in inspirierenden Happen diskursiv präsentiert sowie mit frischem Geist und saftiger Kultur aus dem regionalen Berliner Nachhaltigkeitsraum garniert.

Die Diskurseinheiten werden moderiert von der Wirtschaftssoziologin Margot Schaper, Expertin für soziale Ressourcenentwicklung und Gründerin von '4humans - eine Reise'.
 

1. Gegengespräch2. Gegengespräch3. Gegengespräch
“Let’s not talk about: Neid”
Neid ist eines der ältesten Übel der Welt. Neid hat Menschen zu allen Zeiten motiviert, dem Nachbarn Dinge zu missgönnen und für sich selbst zu beanspruchen.

Warum ist Neid ein wichtiger Motor der Zerstörung? Welches sind die Bauteile für mehr Solidarität angesichts der realen Grenzen unserer Welt? Ist es nicht letztendlich unsere menschliche Natur, mehr zu wollen? Wie viel Spaß macht es schon, den eigenen Freiraum nur im Taschenformat genießen zu können – aus Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer? Warum macht es Sinn zu teilen?

Diskussionspartner waren:

Lets-not-talk-about---NeidLars Zimmermann
ist Künstler, Open Source Ökonom & Culture Hacker. Er ist Gründer des OWi Projektes, Initiator des OPENiT Festivals und Mitgründer der Open it Agentur.

Nikolay Georgiev
hat Open Source Ecology Germany mit aufgebaut, ein offenes Netzwerk für Open Source Technologien für die menschlichen Bedürfnisse.

“Let’s not talk about: Verschwendung”
Mehr 'Schein' als 'Sein' bedeutet auch, mehr zu konsumieren, als gut für alle ist. Seit fast 30 Jahren macht uns das 'statuskrank', wie der berühmte Psychologe Peter Lauster es Mitte der Achtziger nannte. Verschwendungssucht führt dabei das Problem schon im Namen. Verschwendung als Sucht, als Kompensation für den Mangel an echten Inhalten. Diese Werte – wertvolle Ressourcen in Umwelt und Gesellschaft - werden langsam knapp.

Wie also dem Wahnsinn die Methode nehmen? Ist Verzicht wirklich das Allheilmittel oder liegt der Luxus im Detail?

Diskussionspartner/innen waren:

Daniel Hires
veranstaltet u.a. die SenseCamps-"Unkonferenzen" zu denen auch schon Nobelpreisträger Prof. Muhammad
Yunus zu Gast war. In den vergangenen Jahren hat Daniel Hires die Silent Climate Parade veranstaltet - eine der größten Klimademonstrationen in Deutschland.

Stefan Schridde
ist Gründer der Initiative MURKS? NEIN DANKE! e.V., einer bürgerschaftlichen Verbraucherschutzorganisation, die sich für nachhaltige Produktqualität und gegen geplante Obsoleszenz stark macht: "Viele Hersteller bauen bei Produkten gezielt Schwachstellen ein und setzen bewusst auf Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit oder Rohstoffe von schlechter Qualität."

Keighley McFarland
leitet gemeinsam mit zwei anderen SFY- AktivistInnen Slow Food Youth Deutschland. Sie koordiniert außerdem die SFY-Gruppe in Berlin und organisiert verschiedene Events für das Netzwerk wie z.B. Ringbrunch und MesseResteEssen.

“Let’s not talk about: Gier”
Gier. Ein eher unscheinbares Leiden der modernen Welt. Was soll auch damit verkehrt sein, alles im XXL-Format besitzen zu wollen. Den Preis für das Übermaß zu bezahlen, wäre dem gegenüber eher dumm, vielleicht sogar dämlich.

Schließlich sollte man sich die leckeren Dinge greifen, solange sie noch auf Bäumen wachsen. Man kann ja nie wissen, wie lange die Bäume überhaupt noch wachsen. Das Klima wird ja nicht unbedingt günstiger. Obwohl es eigentlich allen gehört. Also sollte es kostenlos sein. Eigentlich.

Das 3. Gegengespräch fand in Kooperation mit der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit statt.

Diskussionspartner/innen waren:

Lets-not-talk-about---GierManfred Robens
Manfred Robens vertritt die „Arbeit für Menschen mit Behinderungen“ (AfB gGmbH). Die AfB als erstes gemeinnütziges IT-Systemhaus setzt sich seit 2004 als Integrationsunternehmen konsequent für die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung ein und kombiniert dies mit dem nachhaltigen Ansatz der Aufarbeitung und Wiederverwertung von IT-Systemen.

Wolfgang Gründinger
geboren 1984, ist Autor und Zukunftslobbyist. Derzeit promoviert er an der Humboldt-Universität zu Berlin zur Rolle der Interessengruppen in der deutschen Energiepolitik. Er ist Mitglied im Think Tank 30 (tt30) des Club of Rome, Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und war Delegierter zu verschiedenen UN-Gipfeln. Für sein Engagement für Generationengerechtigkeit wurde er vielfach ausgezeichnet.

Lilo Brisslinger
Foodsharing setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein, indem Waren, die für den Mülleimer vorgesehen sind, „gerettet“, „fairteilt“ und genossen werden. Der Sinn darin liegt in der Wertschätzung der Nahrungsmittel und darin, ein öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, wie viele Menschen täglich alleine durch den "Müll" anderer versorgt werden könnten - "Müll", den die Käufer bei jedem einzelnen Produkt mit finanzieren.